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Fünf Mythen und Halbweisheiten über die Galapagosinseln

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Galápagos Besucher lernen schnell, dass man sich den Strand hier mit Seelöwen teilt. Fotos: Lisa Hessler.

Inmitten des Pazifiks, über 1000 Kilometer vom ecuadorianischen Festland entfernt, befindet sich „eine kleine Welt für sich“, wie Darwin die Galápagosinseln einst nannte. Kaum eine Inselgruppe übt eine vergleichbare Faszination auf Reisende und  Wissenschaftler aus. Die „Islas encantadas“ wie sie auf Spanisch auch heißen, reizen schon mit ihrem Namen: „Verzaubert“, „zauberhaft“, aber auch „verhext“ sollen sie sein. 

Kein Wunder, dass die Galápagosinseln bis heute von alten und jüngeren Sagen umwoben sind. Im Rahmen eines Programms zur Freiwilligenarbeit in sozialen Einrichtungen in Südamerika habe ich insgesamt fast fünf Monate auf Galápagos verbracht. Genug, um das Paradies und seine Schattenseiten kennenzulernen, mit ein paar Mythen aufzuräumen und einige der häufigsten Fragen rund um das Galápagos Archipel beantworten zu können.

1. Viele Tierarten haben sich erst auf der Insel entwickelt

Wie kamen die Tiere auf die Insel? Die Frage ist berechtigt und liegt aufgrund der geografischen Lage der Inselgruppe nahe. Es verhält sich hier ein bisschen so wie mit dem Ei und der Henne. Manche Tierarten sind zwangsläufig über den See- oder Luftweg (Seelöwe bzw. Albatros) oder auf natürlichen Floßen aus Treibholz oder Ähnlichem auf die Inseln gelangt (Schildkröten). Darwins „Survival of the fittest“ kommt somit also schon vor der Ankunft auf dem Archipel ins Spiel: Errechnungen zufolge dauert die Überfahrt vom Festland je nach Windverhältnissen und Strömungen um die zwei Wochen und die Wahrscheinlichkeit, dass die „schiffsbrüchigen“ Tiere und Pflanzen dann auf diese kleine Inselgruppe im Pazifik stoßen, ist auch relativ gering. Verhext eben!

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Darwins Statue auf Sán Cristóbal erinnert an den großen Evolutionstheoretiker.

Dass beinahe die Hälfte aller Vogelarten und fast alle Reptilien auf den Inseln heute endemisch sind, also einzig und allein auf den Galápagosinseln vorkommen, liegt an der Evolution. Darwin konnte dies anhand der berühmten Darwinfinken belegen: Auf Galápagos gibt es 14 verschiedene aber artverwandte Finken, die sich im Laufe der Zeit aufgrund von Selektionsdruck aus einer einzigen Art weiterentwickelten und unterschiedliche ökologische Nischen besetzten, um zu überleben.

2. Lonesome George war der letzte seiner Art

Die Nachricht hat die Welt erschüttert. Die Entwarnung aber haben viele gar nicht mitbekommen. Dabei sind es doch gute Nachrichten! Aber ganz von vorne: Lonesome George galt als der letzte Vertreter der Schildkrötenart Chelonoidis abingdoni von der Insel Pinta. Er wurde 1972 entdeckt und vor allem während seiner letzten Jahre zur Fortpflanzung motiviert bis genötigt. Doch alle Versuche scheiterten, Lonesome George wollte nicht und Gerüchte über schwule Schildkröten machten die Runde.

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Ihnen verdanken die Galápagosinseln ihren Namen: „galápago“ heißt auf Spanisch (Wasser)Schildkröte.

Als Lonesome George 2012 im Alter von 100 Jahren an Herzversagen starb, war die Trauer groß. Nicht nur er, sondern eine ganze Art war für immer verschwunden. Glaubte man! Denn wenige Monate später meldeten Forscher, dass die DNA-Analysen von 17 Schildkröten der Insel Isabela auf eine Abstammung erster Generation von Lonesome Georges Unterart hindeuten. Mithilfe eines Zuchtprogrammes soll die Chelonoidis abingdoni Unterart nun doch wieder zum Leben erweckt werden. Deutsche Wissenschaftler zweifeln noch stark an dem Erfolg dieser Methode.  Lonesome George wird unterdessen nach New York transportiert, um dort einbalsamiert zu werden…

3. Galápagos ist einfach ein Nationalpark

Eine so einzigartige Artenvielfalt auf so kleiner Fläche muss geschützt werden. Vielen ist bekannt, dass ein Nationalpark eingerichtet wurde, um das Galápagos Archipel in seiner natürlichen Schönheit zu bewahren. Das ist jedoch keine neue Idee: Bereits 1959 wurden die Galápagosinseln zum Nationalpark erklärt. 1968 standen 97% der Fläche des damals wenig bevölkerten Archipels unter dem Schutz des Nationalparks. Zehn Jahre später wurden die Inseln zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. 1986 wurde auch der Ozean rund um das Archipel zum Meeresschutzgebiet erklärt.

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Die Grafik zeigt, wohin die 100$ Parkgebühren wirklich fließen.

All das konnte eine stetige Bedrohung der Inseln nicht verhindern: 2007 wurden die Galápagosinseln auf die „Rote Liste des gefährdeten Welterbes“ gesetzt. Die ecuadorianische Regierung reagierte und führte neben urbanen und landwirtschaftlichen Zonen auch solche Zonen ein, die besonderen Schutz bedürfen. Im Klartext heißt das: Die Inseln gelten zwar offiziell als Nationalpark, die steigenden Zahlen an Bewohnern und Touristen jedoch machen es unmöglich, den Park so zu schützen, wie es noch vor 50 Jahren möglich war. Von den 100$, die jeder Besucher gleich nach der Ankunft auf dem Archipel bezahlt, gehen übrigens nur 40% an den Nationalpark und dessen Erhaltung. Was kaum einer weiß: Auch die ecuatorianische Armee erhält einen kleinen Prozentsatz (5%) der Parkgebühren.

4. Man braucht eine spezielle Erlaubnis, um Galápagos zu bereisen

Seit Langem hält sich das Gerücht, dass es limitierte Zahlen für Besucher der Galápagosinseln gäbe. Man kann den Galápagos-Tourismus in zwei Bereiche einteilen:

  • Austauschstudenten/ Volunteere/ Individualreisende
  • Kreuzfahrttouristen

Ich habe bei keiner meiner beiden Reisen Informationen über begrenzte Besucherzahlen gefunden und konnte als freiwillige Helferin bzw. Individualreisende problemlos Flüge vom ecuadorianischen Festland zu den Inseln buchen. Im Februar 2012 wurden die Zahlen für Kreuzfahrtreisende jedoch beschränkt und Reiseveranstalter müssen seitdem die Vorgaben des Nationalparks Galápagos berücksichtigen. Dennoch besuchten im Jahr 2012 über 180 000 Menschen die Galápagosinseln, die höchste Besucherzahl seit Beginn der Aufzeichnung.

 5. Touristen gefährden Galápagos

Natürlich besitzen die Galápagosinseln nicht die Infrastruktur, riesige Touristenmassen zu beherbergen. Auch wenn die meisten Touristen die Inseln nur während einer einwöchigen Kreuzfahrt besuchen, hinterlassen die Schiffe Spuren im Meer und die Menschen Müll sowie im schlimmsten Fall eingeführte Spezimen (eine der größten Plage auf Galápagos sind Brombeeren und Kaffee, gedankenlos oder unbewusst eingeführt). Die Inseln, ihre Regierung und ihre Bewohner befinden sich in einer Art Zwickmühle.Touristen bringen Geld. Und meiner Erfahrung nach nicht nur das: Sie bringen auch Expertise und Wissen. Die meisten Ausländer, die ich auf Galápagos kennengelernt habe, waren Studenten der Meeresbiologie oder freiwillige Helfer wie ich. Die Kreuzfahrttouristen sind ein anderes Kapitel und schwarze Schafe gibt es immer, doch ohne die Hilfe von Touristen wären die Inseln heute noch mehr gefährdet, als sie es ohnehin sind.

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Im Schutzgebiet der Stiftung Jatun Sacha helfen junge Volontäre beim Ausrotten von Schädlingen.

Dieser Beitrag wurde von Gastautorin Lisa Heßler im Namen von Vistaprint verfasst, einem Unternehmen, das sich für den Umweltschutz einsetzt. Nach dem Abitur und während ihres Studiums verbrachte Lisa insgesamt knapp fünf Monate auf Galápagos, den Großteil davon auf der Insel San Cristóbal, wo sie unter anderem als Volontärin in einem Kinderhort arbeitete und jungen Erwachsenen Deutsch unterrichtete. 

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