Donnerstag, 23. März 2017
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Fahrrad-Fernreisen: „Das Wichtigste ist die Einstellung“

Der Fernradler Thomas Schröder schrieb die neue Ausgabe des Fahrrad Weltführers.
Der Fernradler Thomas Schröder schrieb die neue Ausgabe des Fahrrad Weltführers.

Über 250.000 Kilometer legte der leidenschaftliche Radler Thomas Schröder (61) auf dem Drahtesel zurück – vorwiegend in Europa und den USA. Nun schrieb er die Neuausgabe des Fahrrad Weltführers. Im Interview spricht er über Freud und Leid von Radreisenden – und verrät seine Lieblingsroute.

WRF: Kann jeder eine Langzeitreise auf dem Fahrrad unternehmen?

Schröder: Nun, das Wichtigste ist die innere Einstellung – man muss gerne Rad fahren und eine solche Radtour auch machen wollen. Dann geht fast alles. Ich kenne eine Radlerin, die seit einem Schlaganfall nicht mehr richtig die Balance halten kann – jetzt ist sie mit einem Trike auf dem Weg nach China und immerhin schon bis zum Iran gekommen. Und Heinz Helfgen, der vielleicht berühmteste aller Fernradler, hat kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem recht einfachen Rad die ganze Welt umrundet.

Wie trainiert muss man sein, bevor man sich an ein grosses Abenteuer wagt?

Die Kondition kommt mit der Reise. Wichtiger als ein gezieltes Training ist es, vorher seine Ausrüstung zu optimieren – vor allem musst du das zu dir passende Fahrrad haben. Rahmengrösse, Sitzposition und auch die Auswahl wichtiger Zubehörteile wie etwa Gepäckträger und -taschen würde ich nicht dem Zufall überlassen. Nichts ist frustrierender als ständige Sitz- oder Nackenbeschwerden oder wenn andauernd etwas kaputt geht. Einfache, dabei robuste Technik ist hier das Mass der Dinge. Und mit dieser Ausrüstung sollte man dann erst mal eine Wochenendtour oder ähnliches machen.

In der neuen Ausgabe des Fahrrad Weltführers werden 110 Länder portraitiert. Wie wurde entschieden, was reinkommt und was nicht?

Es sind eigentlich alle aussereuropäischen Länder im Buch, in denen schon Rad-Toureros unterwegs waren und über die wir wenigstens spärliche Infos kriegen konnten. Fehlen tun etwa Tschad, Südsudan oder so exotische Inselziele wie die Malediven, die sich kaum für Radreisen eignen. Stolz sind wir auf Reiseberichte wie durch die Volksrepublik Kongo oder Bangladesh, Länder also, die nicht ganz einfach per Velo zu bereisen sind. Und, ganz wichtig: Der Fahrrad Weltführer ist ein Basis-Handbuch, das aufzeigen will was geht, was nicht und wie man an die nötigen aktuellen Infos kommt. Das heisst, man findet auch jede Menge Internet-Adressen sowie eine Menge „Drumherum“ als da seien Kapitel zur Radtechnik, zum Thema Navigation, zur Kommunikation von unterwegs oder etwa zu Impfungen und so weiter. Die europäischen Länder sind nicht vertreten – dafür gibt es das Buch „Europa per Rad“.

Der Autor durchquerte auf seinen zahlreichen Fahrradreisen auch die USA.
Der Autor durchquerte auf seinen zahlreichen Fahrradreisen auch die USA.

Welche Länder beziehungsweise Regionen eignen sich besonders gut für Einsteiger?

Wohl solche Länder, die unserer Heimat kulturell, gesellschaftlich oder auch klimatisch nahe stehen. Ausserhalb Europas würde ich da die USA, Kanada, Chile, Argentinien nennen, auch Neuseeland. Schwieriger sind Länder, wo man sich zuerst auf klimatische oder kulturell/religiöse Eigenheiten einstellen muss, da ist eine gezielte Vorplanung und auch eine Sympathie beziehungsweise ein Verständnis für die andere Kultur wichtig. Eine Radtour durch Indien etwa kann bestimmt nicht jeder auf Anhieb meistern (auch ich nicht, ganz ehrlich) oder auch durch Zentralafrika. Auch zu einer Durchquerung des „roten Zentrums“ von Australien darf man nicht blauäugig aufbrechen.

Was ist dein persönliches Lieblingsziel?

Ich bin schon seit frühester Jugend ein Amerika-Fan, und damit meine ich nicht nur die USA, sondern den gesamten Doppelkontinent. Also waren wir, meine Frau Sybille und ich, neben ausgedehnten Touren in Europa natürlich vor allem zwischen Alaska und Feuerland unterwegs. Eine unserer schönsten Reisen war die USA from Coast to Coast auf den Spuren der Route 66 (ich hab’ damals vor über 20 Jahren sogar ein Buch darüber geschrieben), und heute noch zieht es uns immer wieder mal in den Südwesten der Vereinigten Staaten.

Worin besteht der Reiz, mit dem Fahrrad zu reisen?

Das Schöne bei einer Radreise ist das langsame Tempo – wer von A nach B radelt, merkt auf sehr angenehme Weise, welche Distanz zwischen den einzelnen Tour-Zielen liegt und wie sich die kulturellen Facetten verändern. Auch wird man als Radreisender in weiten Teilen der Welt sehr positiv und wohlwollend aufgenommen – anders, als wenn man in einem dicken Auto vorfährt oder für ein paar Minuten aus einem Reisebus aussteigt. Die Menschen merken, dass man viel Mühe aufgewendet hat, um hierher zu kommen.

Thomas Schröder mit seiner Frau Sybille in Las Vegas.
Thomas Schröder mit seiner Frau Sybille in Las Vegas.

In vielen Ländern herrscht auf den Strassen das Gesetz des Stärkeren. Wie gefährdet sind Fahrradfahrer wirklich?

Das ist leider oft so; man kann und muss sich darauf einstellen. Ich finde aber immer, mit am gefährlichsten ist das Radfahren in unserer Heimat. Wir leben hier in relativ reichen Ländern, viele können sich ein teures Fahrzeug leisten und benutzen dieses leider oft, um sich über Schwächere emporzuheben. In den USA und Kanada etwa gefällt mir immer, dass die Menschen viel mehr Rücksicht aufeinander nehmen („be safe!“), das merkt man auch auf den (meisten) Highways. Man kann aber mit etwas Umsicht fast in jedem Land klar kommen, wenn man die Verkehrs-Eigenheiten kennt. Ein Rückspiegel hilft, und vor allem darf man nie auf sein vermeintliches Recht beharren. Auch im Verkehrschaos Südostasiens oder etwa Mexikos haben schon viele Tourenradler erfolgreich ihre Kreise gezogen.

Was rätst du jemandem, der nicht sicher ist, ob er wirklich zu einer längeren Fahrradreise aufbrechen soll?

Erst mal auf einer kleineren Tour ein wenig Erfahrung sammeln.  Wenn das Spass macht, fällt die Entscheidung für die grosse Reise ganz von alleine. Dazu ein Zielgebiet auswählen, das einem schon immer sympathisch war, und dann – nur Mut!

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Der „Fahrrad Weltführer“ ist seit 1993 die erste Adresse für jeden, der eine Fernreise mit dem Fahrrad plant. Auf fast 800 Seiten bietet das Buch geballte Informationen für angehende Weltumrunder.

Ganze 30 Autoren steuerten ihre Erfahrungen für insgesamt 110 Länderportraits bei und verfassten wichtige Tipps zur Vorbereitung und Durchführung des grossen Abenteuers auf zwei Rädern.

Gemeinsam mit dem Verlag verlose ich unter den Weltreiseforum-Lesern ein Exemplar der soeben erschienenen vierten Auflage. Alle Infos zum Facebook-Gewinnspiel gibts hier.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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