Montag, 18. Dezember 2017
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El Gouna: Wo in Ägypten zwei Welten aufeinanderprallen

Die Wüste rund um El Gouna lässt sich am besten auf Kamelen erkunden. Foto: T. Funck
El Gouna, dort wo das Meer türkisblau ist und die Sommerhitze das Thermometer sprengt. Der beschauliche Ort ist Ferienziel für viele internationale Gäste und wohlhabende Ägypter. Die Autorin Tamara Funck besuchte den Vorort Bostan. Hier können sich die Angestellten der Luxushotels die eigenen vier Wände leisten.

von Tamara Funck

„Are you Christian – bist du Christ?“, fragt mich jemand und dann: „Do you have a boyfriend – hast du einen Freund?“. Obwohl ägyptische Verkäufer auf dem Bazar manchmal etwas aufdringlich werden können, sind die meisten Leute eher schüchtern und sehr nett. Über die Frage, ob wir Frauen schon verheiratet sind, müssen sie oft selber lachen, weil sie genau wissen, dass wir andere Wertvorstellungen haben.

Wir befinden uns auf einer Strandparty in der Nähe vom Hafen El Gouna. Hier werden Cocktails und Bier ausgeschenkt. In kleinen Lounges rauchen junge Frauen und Männer Shisha, sie beobachten die ausgelassene Menge auf der Tanzfläche. Deutsche, Engländer, Russen, Schweizer und Ägypter tanzen wild um die Stange, welche das Zentrum des riesigen, hölzernen Sonnenschirms bildet.

Westliche Frauen müssen für viele Ägypter etwas Exotisches und gleichzeitig etwas Unreines darstellen: Sie bewegen sich frei, zeigen verhältnismäßig viel Haut, trinken ziemlich sicher Alkohol und sind nicht immer mit dem verheiratet, den sie küssen. Das sorgt für Verwirrung. Wie wir während der nächsten Tage beim Tauchen, Schnorcheln und beim Ausflug in die Wüste merken, sehen einige Männer genau darin den Reiz: Sie wollen einfach reden, flirten und Witze reißen, denn das können sie mit ägyptischen Frauen, wegen des komplexen Wertesystems und der Gesellschaftsordnung nicht so ungezwungen.

Künstliche Stadt

El Gouna war vom ägyptischen Unternehmer Samih Sawiris rund 22 Kilometer nördlich von Hurghada, am Roten Meer gebaut worden. Durchzogen von türkisfarbenen Lagunen und mit einer Mischung von traditionellem, nubischen Stil und moderner Architektur, ist El Gouna bekannt als Ferienziel für Ägyptens High-Society. Wir wohnen allerdings nicht dort, wo die großen Hotels gelegen sind, sondern sind in Bostan zu Besuch bei einer ausgewanderten Familie aus der Schweiz. Als Teil von El Gouna, jedoch abseits des touristischen Zentrums und nahe der Schnellstraße die von Hurghada bis nach Kairo führt, können es sich die Einheimischen leisten, in Bostan zu wohnen, während sie in El Gouna ihr Geld verdienen.

Am Tag der Ankunft, als wir an den Strand wollen, waren wir zum ersten Mal ein paar Einheimischen begegnet. Ohne Auto wird die Distanz ins Zentrum El Gounas immer wieder zu einem aufregenden Abenteuer. Meistens laufen wir nur ein paar Minuten in der prallen Sonne der Straße entlang, bis uns ein Bus, ein Auto oder ein motorisiertes Dreirad mitnimmt. Westliche Leute in Bostan? Sie müssen sich verlaufen haben, denken die meisten. Freundlich sind sie alle, interessiert an unserer Kultur und zuvorkommend.

Die 15-minütige Fahrt mit dem Tuk Tuk kostet fünf Ägyptische Pfund pro Person, ungefähr 75 Schweizer Rappen. Die Handynummer des Fahrers Aziz gibt es umsonst dazu. Für den Fall, dass wir noch mal Hilfe brauchen, versteht sich. Wie die meisten Tuk-Tuk-Fahrer, wohnt auch Aziz in Bostan. Er müsse noch schnell tanken, sagt er auf Englisch, biegt links ab, zeigt auf sein Kreuz und fügt hinzu: „Keine Angst, ich bin Christ“.

Einsame Inseln

Mit dem Boot lassen sich in kurzer Zeit unberührte Inseln erreichen.

Am nächsten Tag steht eine Bootsfahrt mit zwei Ägyptern aus Hurghada auf dem Programm. Mahmoud und Adham sind beide 24 Jahre alt und befreundet mit den Schweizern, die uns beherbergen. Sie sind Muslime, leben aber nicht streng nach dem Koran, verzichten nicht auf Alkohol und halten sich nicht an den Ramadan. Sie sehen sich vielmehr als Europäer, als Teil des westlichen Fortschritts und genießen gute Zukunftsaussichten: Mahmoud arbeitet für ein Filmunternehmen und Adham entwickelt für die Firma seines Vaters Hafenanlagen.

„Wollt ihr ein Stück Wassermelone“, fragt Adham als wir wenige Meter vom Boot entfernt, im seichten Wasser liegen. Bei fast 40 Grad Celsius ist das Wasser mit einer Temperatur von 27 Grad für den Körper eine Erfrischung. Die kleine Insel, die Mahmoud und Adham angesteuert haben, ist das Paradies. Der Strand liegt unberührt vor uns, keine Touristen, keine Strandhäuser und Sonnenschirme, nur ganz wenige Boote, die den Weg zu diesem versteckten Ort gefunden haben.

Praktische Tipps für Ägypten: 

Optimale Reisezeit: Frühling/ Herbst

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Ein Kommentar

  1. Schöner Artikel! Ich wollte auch nach El Gouna um Kitesurfing zu lernen, hab dann über FTI gleich den Kurs in Soma Bay gebucht. Die Leute sind tatsächlich sehr nett, aufdringlich waren sie bei mir nicht, aber ich hatte auch meinen Mann dabei 😉

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