Freitag, 15. Dezember 2017
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Alles Einsteigen! Nächster Stopp: Multivisions-Show

Gerhard Liebenberger fährt auf einer Recherchetour in Kambodscha mit dem "Bamboo-Train". Foto: ZVG

Gerhard Liebenberger hat das Reisen zum Beruf gemacht – oder zumindest das Reden darüber: Derzeit zieht der Österreicher mit dem Diavortrag „Mit dem Zug durch China“ durchs Land. Das Weltreisemagazin hat ihn gefragt, was es zu einem guten Vortrag braucht.

WRM: Viele Reisende träumen davon, nach ihrer Rückkehr von Vorträgen und Diashows zu leben. Dir ist das gelungen. Du tourst seit einem Jahr mit deinem Vortrag über das Zugreisen in China durch Europa. Wie kam es dazu?

Gerhard Liebenberger: Ich hatte schon lange den Wunsch, meine Reiseerlebnisse in einer Multivisions-Show zu zeigen. Das erfordert allerdings einige Investitionen und auch Kenntnisse in unterschiedlichen Bereichen, was mich zunächst abschreckte.  Am Ende war die Neugierde, eine Reiseshow zu produzieren und von den Fotos bis zum Marketing alles selbst zu organisieren, doch stärker als die Angst vor den Risiken. Zweifel haben mich natürlich dennoch bis zur Premiere im Kulturhaus begleitet, die dann aber mit 200 Besuchern bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Nach einem Jahr „on Tour“ und mehr als 25 Shows bin ich heute froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Es ist eine tolle Arbeit und ich freue mich jedes Mal aufs Neue, die Besucher auf eine virtuelle Bahnreise durch China mitzunehmen.

Du hast vor zwei Jahren deine Stelle als Manager an den Nagel gehängt und bist mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China gefahren. Wusstest du da schon, dass dieser Schritt dein Leben radikal verändern würde?

Es war mir klar, dass sich mein Leben um 180 Grad drehen würde. Ich wusste, dass ich nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis stehen und mehr Zeit zum Reisen haben möchte. Um selbständig arbeiten zu können, löste ich den Gewerbeschein noch vor der Abfahrt. Wenn ich unterwegs bin, gibt es bei mir immer Orte, an denen ich mehrere Tage zum Arbeiten bleibe. Das klappte dank Internet bisher sehr gut.

Der Multivisionsvortrag "Mit dem Zug durch China" von Gerhard Liebenberger in der Kunstbox in Seekirchen. Foto: Albert Moser

Zurück zu den Vorträgen. Du hältst deine Multivisions-Show zu China derzeit bis zu drei Mal pro Woche. Wird dir das nicht langweilig?

Ich zeige die Shows schwerpunktmäßig im Herbst und im Frühling. Wenn es früh dunkel wird, ist die ideale Zeit für solche Reisevorträge.  Dazwischen liegen jeweils längere Pause. Nein, langweilig wird es eigentlich nie, da jeder Termin eine andere Stimmung hat. Besonders spannend finde ich die Gespräche mit den Gästen in der Pause. Teilweise erlebe ich dabei auch ganz lustige Geschichten.

Zum Beispiel?

In der Show in Wörgl in Tirol lachte eine Dame im Publikum plötzlich laut auf, als ich ein Bild zeigte, auf dem ich gerade im Österreich-Pavillon auf der Expo in Shanghai Kaffee trinke. Da auf der Aufnahme keine witzigen Bildelemente zu sehen sind, konnte ich diese Reaktion vorerst nicht zuordnen. Am Ende der Vorstellung kam die Frau zu mir und erklärte mir, dass auf dem Foto ihr Rucksack zu sehen war. Doch damit nicht genug. Zuhause durchforstete ich die Bilder aus Shanghai und konnte die Frau auf einem Foto erkennen. Plötzlich erinnerte ich mich an sie. Es war ihre Freundin, die das Foto geschossen hatte, das ich auf der Präsentation zeigte. Wie heißt es so schön: Man trifft sich immer zweimal im Leben.

Was macht für dich eine gute Reisepräsentation aus?

Ich denke, dass eine gute Mischung aus Bildern, Videos, akustischen Eindrücken und persönlichen Erzählungen essentiell ist. Mir ist es auch wichtig, Hintergrundinformationen über Land und Leute auf interessante Weise zu vermitteln. Wie leben die Menschen in dem vorgestellten Land im Alltag? Jeder Vortragende hat seinen eigenen Stil. Keinesfalls darfs langweilig werden.

Besuchst du gelegentlich Vorträge von Kollegen als Inspiration?

Ja, ich schaue mir gerne andere Reisevorträge an. Ich tausche mich auch mit einigen Bloggern und Vortragenden aus. Austausch tut gut.

Welche Tipps würdest du jemandem geben, der selber Vorträge halten will.

Der Wirtschafter in mir würde sagen: Der Businessplan ist der Beginn. Der kreative Teil ist der Meinung: Es muss Dir Spaß machen und Du musst einen innerlichen Drang dazu verspüren. Auf jeden Fall ist viel Durchhaltevermögen notwendig. Ist die Show einmal erstellt, beschäftigt man sich zum Großteil mit dem Organisieren der Vorstellungen und mit dem Marketing. Wer sich bei diesem Business schnelles Geld erhofft oder rasch die nächste Reise finanzieren möchte, liegt falsch. Wer Spaß an den Projekten hat, wird langfristig erfolgreich sein.

Wieso hast du eigentlich das Bahnfahren als Thema gewählt? Üben Züge eine besondere Faszination auf dich aus?

Ich würde mich nicht als klassischen Eisenbahn-Fan bezeichnen. Mein Wissen über Lokomotiven und technische Details hält sich in Grenzen. Aber ich mag Züge seit meiner Kindheit.  Eine Zugfahrt ist immer eine gute Gelegenheit, um Land und Leute kennenzulernen: Man muss sich vor Ort um Organisatorisches kümmern wie Fahrkarten oder Abfahrtszeiten, man hat aber auch immer spannende Begegnungen mit Menschen im Zug, kann die Töpfe im Speisewagen inspizieren und natürlich die Landschaft genießen. Letzteres klappt besonders gut in langsamen Zügen, wo man die Fenster öffnen kann. Diese gibt es leider immer seltener.

Du hast seit längerer Zeit keine größeren Reisen außerhalb Europas unternommen. Ist dir die Reiselust vergangen oder steht bald wieder etwas an?

Ich war im Januar 2012 das letzte Mal außerhalb von Europa. Beim Reisen ist für mich persönlich weniger oft mehr. Ich mag es, mich längere Zeit mit einem Land zu befassen und intensiver hineinzuspüren. Ende Dezember reise ich wieder nach Asien, um in Kambodscha weitere Eindrücke für die nächste Show zu sammeln. Ein Abstecher nach Dubai und Thailand sind ebenfalls geplant.

Aus deinen Reisen ist auch ein recht erfolgreicher Blog entstanden. Was ist das Rezept für einen guten Reiseblog?

Viele besuchen meinen Blog unter www.andersreisen.net, um sich Tipps für ihre eigenen Reiseplanungen zu holen. Ich denke, dass die Mischung aus persönlichen Reiseberichte und Reisetipps, aber auch andere Reisethemen zum Erfolgsrezept gehören. Im Blog geht’s übrigens nicht nur um Bahnreisen, ich bin auch gerne mit dem Fahrrad oder Motorrad unterwegs.

Was macht für dich der Reiz des Reisens aus?

Es macht mir Spaß, fremde Menschen und Kulturen kennenzulernen. Landschaften, Bräuche, Alltagsleben. Und ganz wichtig: Der Blick in den fremden Kochtopf. Naja, beim Schauen bleibt es dann meist nicht und fast immer darf man sich auf neue Geschmackserlebnisse freuen.  Ich denke, dass man mit Reiseerfahrungen auf viele Dinge im Alltag einen anderen Blick gewinnt und die Angst vor dem Fremden ablegt. Besonders freue ich mich aber, wenn ich Menschen aus den besuchten Ländern näher kennenlerne und sich aus diesen Begegnungen auch Freundschaften entwickeln. Ich stehe mit einigen Reisebekanntschaften bis heute in Kontakt und das bereitet mir große Freude.

Reiseberichte von Gerhard Liebenbergen sind über www.andersreisen.net zu finden. Die Daten der Multivisions-Show gibt es hier: www.liebenberger.com/china/

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

Ein Kommentar

  1. Roland Sonderegger

    Viele Reisen haben Andrea und Roland Sonderegger bereits gemacht, aber diese war eine ganz besondere.
    Kein Gefängnisaufenthalt, keine Mienenfelder, keine Waffenbedrohungen, keine Schikanen an den Grenzen, sondern immer nur helfende und offene Menschen.

    Wie schon auf anderen Reisen nahmen sie die Route von Österreich nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien in die Türkei. Weiter in den Iran, Pakistan und dann nach Indien. Dort wollten sie überwintern um anschließend über Afghanistan Richtung Sibirien zu gelangen. Aber alles kam anders…

    In Indien erfuhr das seit 20 Jahren kinderlose Ehepaar ganz unerwartet von Andreas Schwangerschaft. Nach der Geburt in Nepal wurde der Kleine in einer 7 Stunden andauernden, landestypischen Zeremonie auf die Namen Christoph Ajushman (langes Leben) Bishwakalayan (von der Erde gesegnet) getauft.

    Zu dritt führte die Reise weiter nach Malaysia, Thailand, Kambodscha, Laos, China, Kirgistan, Usbekistan, Kasachstan und Russland. Diese wurde zu einer ganz besonderen, intensiven Reise. In allen Ländern erfuhren die Reisenden Wärme, Hilfe und offene Herzen.
    Schließlich traten sie dann nach über 3 Jahren die Reise nach Hause an. In ein neues Abenteuer Leben.

    Wie kann ich diese geschichte dem Österreichichen Puplikum näherbringen?

    mit freundlichem Gruße
    Roland Sonderegger

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