Montag, 18. Dezember 2017
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Costa Rica: Besuch in der heimlichen Hauptstadt der Rastafaris

Die Autorin dieses Berichts am Strand von  Manzanillo in der Nähe von Puerto Viejo. Foto: Mariya Anastasova.
Die Autorin diese Berichts am Strand von Manzanillo in der Nähe von Puerto Viejo. Foto: Mariya Anastasova.

Das touristisch wenig entwickelte Puerto Viejo ist anders als der Rest von Costa Rica: Hier herrscht der gemütliche afro-karibische Groove der schwarzen Rastafaris mit jeder Menge Party und Gras vor. Das Highlight der Region ist jedoch das leckere Essen.

Riesige Krabben sausen über die Hauptstraße. Etwas langsamer tun dies auch die Menschen – hauptsächlich Schwarze mit langen Rastas. Den meisten von ihnen kommt ein chilliger Rhythmus über die Lippen, viele summen eine Melodie. In der einen Hand ein Bier und unter dem Arm ein Surfboard. Raggae erklingt von allen Ecken. Eine Farbenexplosion in grün, gelb und rot, die sich mit dem süßen Duft von gekochtem Fisch in Kokosmilch, pikanter Salsa, tropischen Früchten und Ganja mischt. Marihuana scheint hier ohnehin mehr oder weniger legal zu sein. Bei jedem zweiten Schritt hält mich ein glücklich strahlender Rastafari an und bietet mir „only the best stuff“ an.

Ganz in der Nähe der panamesischen Grenze gelegen, in der Provinz Limón im südöstlichen Costa Rica, unterscheidet sich die kleine Hafenstadt Puerto Viejo vom Rest des Landes mit seiner äußerst bunten Afro-karibischen,  kreolsprachigen Bevölkerung. Hier haben neben den Ticos und Ticas (umgangssprachlicher Begriff für die Einwohner Costa Ricas, hauptsächlich Mestizen) auch Bribri-Indianer und einige US-Amerikaner und Europäer ihr Zuhause gefunden.

Die stille Seite von Costa Rica

Anders als die Pazifikküste, die dank der besseren Infrastruktur, jeder Menge Surfschulen, kommerziellen Unterhaltungsaktivitäten, Läden und Bars, viele Touristen lockt, ist Puerto Viejo und die Region drumherum viel authentischer und entspannter geblieben. „Dinge verändern sich hier nur langsam und das ist gut so“, meint ein einheimischer Freund, mit dem ich unterwegs bin. Vor kurzem hätte sich das beinahe geändert. Doch die Pläne, einen gewaltigen Seglerhafen und Luxushotels an die Küste zu klotzen, sind durch den heftigen Widerstand der lokalen Gemeinde immer wieder gescheitert. Den Einheimischen ist ihre tierra (Erde) heilig. Sie wissen die Natur und ihre Kultur zu schätzen. Sie sind stolz darauf und sich darin einig, dass sie erhalten bleiben soll.

Puerto Viejo besticht mit seinen touristisch kaum erschlossenen Traumstränden. Foto: Mariya Anastasova
Die Gegend um Puerto Viejo besticht mit ihren touristisch kaum erschlossenen Traumstränden. Foto: Mariya Anastasova

Daher sind in der Stadt kaum große Hotelanlagen oder schicke Restaurants mit internationaler Küche zu finden. Am besten übernachtet man in einer der vielen unter Bananenpalmen versteckten Ferienhäuschen oder in den schrill bemalten Hostels. Viele Hostels bieten auch die Möglichkeit, die Nacht unter freiem Himmel in einer Hängematte zu verbringen. Diese Option ist zwar günstiger, kann aber wegen den vielen Mücken unangenehm werden. Selbst Insektenspray stösst hier an seine Grenzen.

Ein kulinarisches Paradies

Etwas  vom Besten, was Puerto Viejo zu bieten hat, ist das Essen, insbesondere in den zahlreichen Sodas der Stadt. Das sind kleine Imbissstuben oder Bistros, die oft von einer Familie betrieben werden. Bereite deinen Bauch auf leckeres einheimisches Essen in Riesenportionen, mit freundlicher Bedienung und günstigen Preise vor! Beurteile die Sodas nicht nach ihrem Aussehen und Ausstattung. Das Interieur ist teilweise schäbig, Niemand würde erwarten, wie viel unglaublich leckeres Essen in diesen kleinen Kneipen serviert wird.

So war das auch in der Soda Irma. Das erste, was wir sahen, ist nicht gerade vertrauenserweckend: Ein bescheidener kleiner Balkon mit alten Plastiktischdecken. Kein Mensch ist hier.  Nach kurzem Überlegen treten wir dennoch ein. Denn wir waren vor Hunger bereit, für ein Gallo pinto zu töten. Das ist das Nationalgericht aus Reis und schwarzen Bohnen, frittierten Kochbananen und wahlweise Fisch oder Huhn. Reis mit schwarzen Bohnen und Eiern wird hier übrigens üblicherweise auch zum Frühstück gegessen.

Leckere lokale Speisen: Gallo Pinto ist das Nationalgericht aus Reis, schwarzen Bohnen, frittierten Kochbananen und Fisch oder Huhn. Foto: Fotograf unb. / Wikimedia
Leckere lokale Speisen: Gallo Pinto ist das Nationalgericht aus Reis, schwarzen Bohnen, frittierten Kochbananen und Fisch oder Huhn. Foto: Fotograf unb. / Wikimedia

Das erscheint auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen ungewöhnlich. Aber nach einiger Zeit will man nichts anderes mehr. Das von zu Hause gewohnte Brötchen ist auf einmal zu trocken. Während wir noch auf unser Gallo pinto warten, serviert die pummelige Kellnerin, die zugleich Köchin ist, die Säfte. Alleine davon könnte man satt werden – ein grosses Glas frisch gemachter Ananassaft für mich und ein halber Liter Papayasaft für meinen Freund. So ein Genuss! Das Essen kommt in vier Tellern statt in zwei.

Nach so einem Essen kann man nur noch zum Strand rollen und die Nacht neben dem Feuer, begleitet von Reggae-Rhythmen und ein Paar Pilsenes und Imperiales (die zwei populärsten Landesbiere), leidenschaftlich durchtanzen.

Praktische Tipps:

Nahgelegene paradiesische Strände: Salsa Brava (für Surfprofis), Playa Cocles (gut für Surfanfänger), Manzanillo, Punta Uva, Playa Negra

Beste Reisezeit: Dezember bis April, ab Anfang Mai kann es ziemlich regnerisch werden

Ausrüstung: Insektenschutzmittel, Sonnenschutz, Mütze, Wanderschuhe

Wichtigste Ausdrücke und Wortschöpfungen, die die Ticos glücklich machen – besonders wenn sie ausländische Besucher beherschen:

  • Pura Vida (wörtlich: Pures Leben)- Ausdruck beim Begrüssen/ Verabschieden, ähnlich wie “hallo” und “tschüss”; auch für Begeisterung und Lebensfreude
  • Tuanis! – Cool!

 

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Über Mariya Anastasova

2 Kommentare

  1. An Puerto Viejo erinnere ich mich auch immer wieder sehr gerne zurück! Der Food dort war wirklich herrlich 🙂 Kann mich erinnern, dass wir damals einen Bus zur Grenze nach Panama nahmen – ein ziemlich abenteuerliche Grenzbrücke überquerten – und dann eine super Zeit auf dem Archipel Bocas del Torro in Panama verbrachten :-)…Pura Vida, wie wahr…wie wahr :-)…

  2. Als ich Ende Dezember auf der Karibikseite von Costa Rica letztes Jahr war, war es leider noch sehr sehr sehr regnerisch und stürmisch. Wer mit dem Wetter auf Nummer sicher gehen will, sollte eher ab Mitte/Ende Januar bis April an die Ostküste.
    Ein kleiner Tipp: Zwischen Limon und Puerto Viejo liegt in Penhurst das Sloth Sanctuary – definitiv einen Abstecher wert auf der Reise!
    Oh, wie ich den frischen Ananassaft und die Ananas-Marmelade vermisse – Pura vida! 🙂

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