Dienstag, 26. September 2017
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Buchtipp: Ode an das langsame Reisen

Dan Kieran ist ein englischer Reisejournalist, der es sich wegen seiner Flugangst angewöhnt hat, sein Ziele per Bahn, Auto oder Boot zu erreichen. Zwar dauern so seine Trips jeweils etwas länger, dafür erfährt er einiges über sich selbst und das Gastland. Seine Erkenntnisse hat er jetzt aufgeschrieben. Ein Muss, für jeden, der die Vorteile des langsamen Reisens noch nicht entdeckt hat.

Dan Kiernan, Reiseschriftsteller (Bild: Rogner und Bernhard)
Dan Kieran, Reiseschriftsteller (Bild: Rogner und Bernhard)

Dan Kieran ist ein durchschnittlicher Typ. Weder Umwelt-Fanatiker noch Abenteurer. Er hat nichts einzuwenden gegen einen gewissen Komfort und geniesst gerne auch in kühles Feierabendbier. Eines unterscheidet ihn allerdings vom gewöhnlichen Touristen: Er gibt sich nicht mit Kulissen und Illusionen zufrieden, sondern will die Orte, die er bereist, auch tatsächlich erfahren.

Kieran hat, nicht zuletzt durch seinen Beruf, so einige Sehenswürdigkeiten dieser Welt gesehen. Dabei hat er bemerkt, dass es nicht reicht, sich Dinge einfach anzuschauen. Er hat festgestellt, dass es für ihn keine Bereicherung darstellt, wenn er – praktisch ohne eigene Anstrengung – an einen Ort geflogen und vor ein Wahrzeichen gesetzt wird. Jedes Mal jedoch, wenn er einigermassen selbstständig unterwegs war, wenn er also nicht einfach von A nach B geflogen wurde, sondern sich seinen Weg selber suchen oder gar erkämpfen musste, sei es per Anhalter oder im Nachtzug, wurde die Reise zu einem Erlebnis.

Zwischenfälle als Herausforderung

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Das hat unter anderem mit den Problemen zu tun, die man unterwegs antrifft. Sobald man nämlich den Flughafen und die klimatisierte Lounge im teuren Hotel verlässt, sobald man also nicht mehr von Angestellten umgeben ist, die für ihre Freundlichkeit bezahlt werden und versuchen, Unannehmlichkeiten von ihm fernzuhalten, wird die Reise zum Abenteuer, so Kieran. Und jeder noch so kleine Zwischenfall, den er erfolgreich meistert, versetzt ihn in Hochstimmung.

Für Menschen, die sowieso meistens mit wenig Geld und dafür viel Zeit unterwegs sind, ist Kieran’s Buch einfach eine Bestätigung für längst verinnerlichte Erkenntnisse. Unterhaltsam und lustig, ausgeschmückt mit persönlichen Geschichten und kleinen literarischen Exkursen. Für Leute jedoch, die oft mit dem Billigflieger unterwegs sind und die sich gerne an ihren Reiseführer halten, wenn es darum geht, eine Stadt zu erkunden, kann Kierans Buch eine Offenbarung sein.

In beiden Fällen lohnt es sich, dass Buch zu lesen. Wieso nicht – ganz im Sinne des Autors – als kurzweilige Reiseliteratur auf einer langen Bahnfahrt?

 

Über Manuela Zeller

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