Freitag, 15. Dezember 2017
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Buchkritik: Clever unterwegs

Das neue Reisenachschlagwerk "Clever unterwegs" will es allen recht machen. Foto: O. Zwahlen
Das neue Reisenachschlagwerk „Clever unterwegs“ will es allen recht machen. Foto: O. Zwahlen

Auf über 200 Seiten bietet der kürzlich erschienene Band „Clever unterwegs“ ein umfassendes Nachschlagwerk über alles, was mit Reisen zu tun hat. Dies ist seine Stärke, aber auch seine Schwäche: Er ist ein bisschen für alle, aber gleichzeitig für keinen so wirklich.

Vor etwa zwei Monaten hat mich die Presseabteilung eines Verlag angeschrieben und gefragt, ob ich das Buch „Clever Reisen“ hier im Weltreisemagazin besprechen möchte. Natürlich wollte ich, denn auch für mich gibt es noch immer viel zu lernen. Ein paar Wochen später hatte ich das Rezensionsexemplar im Briefkasten. Anders als in der (nicht mehr online stehenden) Buchkritik vom Blogger-Kollegen Jeremy von Reisewerk war meine erstere Reaktion eine leichte Enttäuschung. Nicht nur deswegen, weil es die Autoren versäumt hatten, unser Forum Traveltalk im Kapitel Reiseforen zu erwähnen.

Zunächst zum Positiven. Das erste, was mir auffiel: Das Buch ist gut verarbeitet. Es riecht sogar ganz angenehm. Das Layout ist sehr übersichtlich und die zahlreichen Bildern lockern beim Lesen auf. Besonders gut gefiel mir, dass immer wieder Menschen portraitiert wurden, die etwas zum Thema Reisen zu sagen haben. Da sind beispielsweise die Reiseerinnerungen der Schweizer Fernsehmoderatorin Mona Vetsch (moderierte „Fernweh“) an Norwegen und die Erkenntnis, dass es Orte gibt, die so überwältigend sind, dass man sie nie wieder besuchen sollte. Oder die Geschichte vom pensionierten Swissair-Piloten, der im Segelboot die Welt umrundet und auch an den abgelegensten Orten nie wirklich einsam ist. Auch weniger prominente Schweizer werden portraitiert.

Nur für Schweizer Leser interessant

Bereits die Auswahl dieser Beispiele zeigt, dass  „Clever unterwegs“ ganz klar auf eine Schweizer Leserschaft zugeschnitten ist. Deutsche oder Österreichische Leser werden wohl weder mit den ausgesuchten Prominenten noch mit den praktischen Tipps viel anzufangen wissen, auf die ich als nächstes zu sprechen kommen möchte. Diese klare Fokusierung ist allerdings nicht unbedingt schlecht. Zumindest nicht für uns Schweizer.

In sechs Kapiteln deckt „Clever unterwegs“ beinahe jeden Aspekt des Reisens ab. Egal, ob man eine Langzeitreise plant, als Student von einem Auslandsjahr an einer fremden Uni träumt oder einfach im nächsten Urlaub einmal eine Lastminute-Reise ausprobieren will: Für jeden ist ein Abschnitt dabei; jeder findet ein paar praktische Websites für weiterführende Infos. Und im Anhang werden die „besten 111 Reiseapps“ vorgestellt, was ich ebenfalls angesichts der unüberschaubaren Menge der kleinen Handy-Helferlein wirklich sehr praktisch finde.

Doch in der Breite liegt auch die Schwäche des Buches: Ich bin kein Student mehr, Lastminute-Reisen interessieren mich nicht besonders und übers Langzeitreisen steht so wenig drin, dass es ganz einfach nichts gibt, was ich nicht schon lange weiss. Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, wieso hier so unterschiedliche Reiseprofile in einen Topf geworfen werden. Mein Verdacht: Der Schweizer Markt ist wohl zu klein, um jede Zielgruppe mit einem eigenen Buch zu bedienen.

Etwas sauer ist mir zudem aufgestoßen, dass das Buch trotz eines recht heftigen Preises von 32 Euro (bei Amazon zur Zeit der Artikelerstellung) teilweise nicht besonders gut redigiert wurde. Zum Beispiel heißt es zum Blue Train von Pretoria nach Kapstadt in Südafrika auf Seite 91: „Das Fünfsternehotel auf Schienen fährt nie schneller als 110 Kilometer pro Stunde, so dass die Fahrgäste die südafrikanische Landschaft in vollen Zügen geniessen können.“ Ginge es nicht um einen Luxuszug, dann würde ich das für ein schlechtes Wortspiel halten.

Geeignet für absolute Reisebeginner

Ein paar Seiten weiterhin hinten heißt es: „Ob Peking, Rom oder New York – die Zimmer grosser Hotelketten sehen fast überall gleich aus. Ferienwohnungen sind eine willkommene Alternative, wenn man Wert auf eine individuelle Atmosphäre legt.“ Auch hier stimmt die Aussage im Prinzip. Doch das Problem ist die Wahl der Städte. Weil ich ein paar Jahre in Peking gelebt habe, weiss ich zufälligerweise, dass man ausgerechnet in dieser Stadt mit ziemlicher Sicherheit keine Ferienwohnung finden wird. Bis vor wenigen Jahren war es nämlich  in ganz China ohne spezielle Lizenz  nicht erlaubt Ausländer aufzunehmen – und das Konzept von Ferienwohnungen ist im Reich der Mitte ohnehin nicht stark verbreitet.

Das will nun nicht heißen, dass man einen großen Bogen um „Clever unterwegs“ machen sollte. Wer kaum je gereist ist und ein Starkes Kribbeln in den Beinen verspürt, der wird die unterschiedlichen Möglichkeiten, die aufgezeigt werden, sehr interessant finden. Wer jedoch schon weiter in der Planung ist und genau weiss, auf welche Weise er unterwegs sein möchte, sollte sich nach Alternativen umsehen, die besser auf die spezifischen Bedürfnisse abgestimmt sind.

Wenn dich interessiert, welche anderen Bücher wir im Weltreisemagazin bereits besprochen haben, findest du hier eine Übersicht.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

Ein Kommentar

  1. Pingback: "Clever Unterwegs" ein nützliches Buch für Reisende? | reisewerk.ch DER Schweizer Reiseblog

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