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Auswandern nach Marokko: „Das Land ist für jeden interessant“

Auswandern nach Marokko: So gehts!
Didier Schmallong lebt seit vielen Jahren in Marokko und hilft Auswandern, die ebenfalls im nordafrikanischen Land Fuß fassen wollen. Foto: ZVG

Im neusten Interview des Monats geht es wieder um einen Auswanderer: Didier Schmallong führt im marokkanischen Essaouira eine Baufirma. Im Gespräch erzählt der Süddeutsche, wieso er das Land ins Herz geschlossen hat, und nennt die großen Fallstricke beim Auswandern nach Marokko.

Weltreisemagazin: Herr Schmallong, Sie leben seit vielen Jahren in Marokko. Was macht für Sie der Reiz dieses nordafrikanischen Landes aus?

Schmallong: Großstädte und Hotelanlagen sind nicht so mein Ding. Das wahre Marokko findet man in der Provinz. Ich mag vor allem den Charme der Menschen. Die Marokkaner sind zufriedene Leute. Sie sind glücklich, auch wenn die Armut an ihnen nagt. In Deutschland träumte ich als Kind von einem eigenen Fernseher. Wäre ich hier zur Welt gekommen, würde ich mich wohl über eine Frucht freuen. Man lebt hier nicht von Supermärkten und Fertigprodukten. Man geht zu seinem Freund, dem Händler, um einen Plausch zu halten.

Das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen. Auf keiner Reise habe ich aggressivere Verkäufer erlebt als in Marokko.

Aggressive Verkäufer gibt es auch in Deutschland oder Paris. Früher wurden bei uns in Deutschland Staubsauger an der Haustür angeboten. Ich finde, man sollte den Händlern etwas Verständnis entgegenbringen. Viele kommen vom Land und befinden sich in sehr schwierigen finanziellen Verhältnissen. In den wichtigsten Touristengebieten dürfen sie zudem ihre Ware nicht anbieten. Deswegen muss man in der Stadt eben damit rechnen, dass einen umso mehr Verkäufer angehen. Meistens reicht aber ein freundlichen „non merci“, um in Ruhe gelassen zu werden. Ansonsten kann man immer noch mit der Polizei drohen.

Wie erlebten Sie die Integration? Ist es leicht, Freundschaften zu schließen?

Durch meine ehrenamtliche Mitarbeit beim Kinderschutzbund „ Touch pas a mes enfants“ konnte ich wertevolle Kontakte knüpfen, die mir bis heute sehr helfen. Um sich in Marokko niederzulassen, bedarf es der „französischen Sprache“ – zumindest der Grundvokabeln. Der Marokkaner ist jedoch im Allgemeinen hilfsbereit und zeigt Verständnis, wenn es sprachlich mangelt.  Heute lebe ich in Essaouira, einer kleinen, verträumten Stadt am Atlantik. Jeder kennt jeden und man wird hier als Immigrant sehr schnell ins Herz geschlossen. Am Anfang lief es allerdings nicht so gut: Wegen einer falschen Beratung durch das deutsche Konsulat verlor ich mein Vermögen, das ich in ein Restaurant in Taghazout bei Agadir investiert hatte. Ich hatte Glück und konnte mich mit der Hilfe von marokkanischen Bekannten über Wasser halten.

Wie empfinden Sie die Sicherheitslage? Die arabische Welt genießt ja nicht den besten Ruf.

Ich würde die Sicherheitslage generell als gut einschätzen. Marokko blieb von den Problemen anderer Staaten des Magrebs verschont. Kein Wunder: Der König ist beliebt beim Volk. Es setzt sich für die Armen ein. So entstanden Armenhäuser und eine medizinische Versorgung für Mittellose. Jugendliche können ihm Wunschzettel geben, wenn sie eine Ausbildung als Feuerwehrmann oder im sozialen Bereich anstreben. Diese Wünsche werden dann auch erfüllt. In den letzten zwei Jahren gab es zudem starke Bemühungen, die Korruption einzudämmen.

Für wen ist das Auswandern nach Marokko überhaupt interessant?

Das Land ist für jeden interessant. Wegen des günstigen Klimas halten sich hier viele Kranke auf. Auch scheint mir, dass man in Marokko mit psychosomatischen Gebrechen besser umgeht als in Europa. Die Marokkaner zeigen einfach mehr Verständnis und Hingabe. Attraktiv sind auch die niedrigen Lebenshaltungskosten. Selbst ein Rentner aus Deutschland, der mit 600 Euro auskommen muss, kann hier fürstlich leben. Nebenbei bemerkt gibt es hier auch eine Reihe von Ausländern, die hier darauf warten, dass eine Straftat im alten Heimatland verjährt.

Sie schreiben auf Ihrem Marokko-Blog, dass es für Selbständige einfach sei, eine Firma zu gründen und ein Visum zu erhalten.  Sich anstellen zu lassen ginge als Ausländer jedoch nicht.

Sich in Deutschland anstellen zu lassen und sich dann nach Marokko entsenden lassen, das geht natürlich schon. Aber den hiesigen Firmen ist es per Gesetz verboten, Ausländer zu beschäftigen. Auch ich darf nur Marokkaner beschäftigen. Allerdings sind die Löhne hier ohnehin so niedrig, dass sich wohl ohnehin kein Einwanderer für solche Beträge abrackern würde. Zur Illustration: ein einheimischer Arbeiter verdient hier am Tag im Durchschnitt etwa 80 bis 120 Dirham (etwa 10 Euro). Bei mir war die Lage eigentlich von Anfang an klar: Da ich keine Rente beziehe und somit auch kein Einkommen ausweisen konnte, hatte ich nur die Möglichkeit, selbständig zu werden. Das heißt, ich zahle im Land Steuern und schaffe Arbeitsplätze für Einheimische.

Bauen in Marokko
Didier Schmallong vor einem seiner Bauprojekte in Marokko.

Sie sind in der Nähe von Essouria als Bauunternehmer tätig. Was ist in Marokko anders als in Deutschland?

Wir haben es hier mit anderen Baumaterialien als in Europa zu tun. Das geht sogar so weit, dass man beim Sand aufpassen muss: Meersand ist beispielsweise besonders günstig, führt aber viel schneller zu Schimmelbefall. Allgemein ist es nicht immer leicht, an die passenden Baustoffe zu gelangen. Um die Ecke findet man höchstens Dinge wie Plastikwasserhähne aus China. Ich fahre deswegen regelmäßig nach Marrakech oder Agadir, um bei den internationalen Baumärkten gute Qualität zu erwerben. Es gibt aber auch immer wieder Probleme mit Arbeitern und Lieferanten: manche bauen absichtlich schlechtes Material ein, damit sie später genügend Reperaturaufträge bekommen.

Ausländer gehören auch zu ihren Kunden. Ihnen helfen Sie beim Papierkram und dem Bau eines Eigenheims. Was sind die größten Fallen beim Auswandern nach Marokko?

Viele kaufen sich übereilig ein Grundstück und merken erst zu spät, dass es kein Wasser gibt oder dass das Grundwasser in einer Tiefe von bis zu 200 Metern liegt. Solche Bohrungen verschlingen viel Geld. Ich kenne auch Fälle, wo jemand Ackerland kaufte und dann keine Baubewilligung bekam. Teilweise gibt es auch unseriöse Händler, die mit einer Vollmacht Anwesen verkaufen, die ihnen gar nicht gehören. Es lohnt sich also, beim Kauf eines Grundstücks genau hinzusehen und am besten mit einem guten Notar zusammenzuarbeiten.

Gibt es auch typische Fallen beim Papierkram?

Ja und nein. Jeder kann ein Grundstück erwerben oder eine Wohnung kaufen. Dazu braucht man auch keine Aufenthaltsbewilligung. Viele machen ja auch bloß Urlaub in Marokko oder vermieten ihr Anwesen. Das ist eigentlich unproblematisch. Was vielleicht noch wichtig ist und viele nicht wissen: Meist wird nicht der Boden verkauft, sondern bloß ein Nutzungsrecht über eine Zeitspanne von 99 Jahren. Deswegen ist es ratsam, Kinder in die Kaufakte aufzunehmen. Ansonsten geht das Anwesen beim Ableben an den Staat über.

Ist Marokko das Land, in dem Sie den Rest Ihres Lebens verbringen wollen?

Ja, ich werde in meinem Marokko bleiben. Ich bin nur im Pass ein Deutscher und dies ist schon beschämend genug für mich. In Europa führen die Chemie- und Pharmakonzerne einen kalten Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu zerstören auf diese Weise die Menschheit. Nur keiner wills glauben. Typisch Deutschland.

Willst du mehr über Marokko erfahren? Dann schau einmal unter dem Stichwort Marokko nach, was bei uns sonst noch über das nordafrikanische Land erschienen ist. Fragen zu Marokko als Reiseland, kannst du gerne auch in unserem Marokkoforum stellen. Speziell für Auswanderer empfieht sich auch ein Besuch des Blogs von Didier Schmallong.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

5 Kommentare

  1. Hallo Herr Schmallong,

    was Sie machen, finden wir, mein Mann und ich, super.

    Wir wollen nach Tanger auswandern. Ich bin übrigens dort geboren, im Dezember 1958, als meine saarländischen Eltern für ca. 9 Jahre dort lebten. Doch ich kam erst nach 8 Jahren auf die Welt.

    Es ist so, dass wir an monatlichem Einkommen nicht grad sooo viel Geld haben. Könnten Sie uns bitte helfen, eine Mietwohnung zu finden. Sie soll wenn möglich nahe zum Strand sein, muss aber nicht unbedingt. Klar, Wünsche hat man, doch leisten muss man sie sich auch können 🙂

    Mein Mann ist Rentner und hat ca. 870 Euro im Monat an Einkommen plus noch etwas mehr (dazu weiter unten). Ich bin, wie Sie vielleicht über meinen Kanal gesehen haben, Kunstmalerin (jedoch eine brotlose, weil ich die Bilder nur ausstelle und so gut wie nie eins verkaufe. Kann noch weitere Sachen in Sachen Kunst, doch bin auch Bürofachkraft. Würde also versuchen Arbeit zu finden. Falls nicht, dann hätten wir halt nur dieses begrenzte Einkommen.

    Die Wohnung sollte 4 Zimmer haben. Mein Mann bekommt, falls das klappt, zusätzlich noch Miete aus einer Eigentumswohnung, nämlich unseren, in der wir jetzt in Deutschland wohnen. Die würden wir vermieten, und hätten außer der Rente noch dieses Geld. Die 4 Zimmer bräuchten wir deshalb, weil wir damit rechnen, ab und zu Verwandte oder gute Bekannte zu Gast willkommen zu heißen. Oder falls wir mit dem Geld nicht rund kämen, zwei Zimmer hier und da an Urlauber zu vermieten.
    Doch auch wenn Sie nur eine Wohnung mit zwei oder drei Zimmer für uns finden könnten, wäre für den Anfang auch super.
    Einschränkung:
    Ich bin Allergikerin gegen Schimmel und ausgasende Weichmacher z. B. Es sollte eine Wohnung sein, wo so was nicht drin ist und auch in der Nähe keine unangenehmen Gerüche (Kläranlage oder Geruch produzierende Unternehmen usw.)

    Wäre oder ist echt klasse, wenn Sie uns helfen werden.

    Liebe Grüße

    Lis

    Vor allem nun zu der Preisfrage. Was verlangen Sie für Ihre gute Arbeit so einer Vermittlung?

  2. Abdurrahim M. Kiss

    Hallo Herr Schmallong,

    Ich überlege schon länger mit meine Frau dort hin zu ziehen.
    Ich hätte ein paar algemeine Fragen.
    Was sind die voraussetzungen um dort dauerhaft wohnhaft zu werden, visa, arbeit etc.?
    Wie viel geld braucht man, mit wie viel kommt man ca im monat aus, wie viel verdient man bei eine einfache arbeit, wie viel kosten einfache mietwohnungen für 2 personen?

    Vielen Dank im vorraus,
    Lg. Abdurrahim. M. K

  3. Edith-Anna Pollhammer

    Es scheint, dass mehr und mehr Menschen daran denken, nach Marokko auszuwandern. Für viele bietet das Klima und auch das allgemeine Kostenniveau genügend Anreiz, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Aber die marokkanische Bürokratie ist nicht zu unterschätzen und bietet für manchen einwanderungswilligen Europäer eine Menge Fallstricke, die auch bei guten Sprachkenntnissen ein erhebliches Problem darstellen können. Hier kann Didier Schmallong helfen, denn kennt das Land und auch seine Bestimmungen und Eigenheiten und kann wunderbar mit den zuständigen Menschen umgehen.
    Ich selbst habe –ohne jegliche praktische Kenntnis dieses Landes – vier Tage unter der Obhut von Didier verbracht und dabei so viel über Land, Leute, Häuser, Grundstücke, Tiere, Meer, Wetter, Essen, Bestimmungen, Verkehrswege …. gelernt, dass ich in dieser kurzen Zeit fast zur Marokko-Expertin geworden bin. Für eine derartig sachkundige Aus- bzw. in seinem Fall Einwanderungshilfe kann man nur dankbar sein und, wenn möglich, die erwiesene Hilfe gleichermaßen vergelten. Vertrauen Sie sich ruhig Didier an, Sie werden es nicht bereuen!

  4. Ich gehe dieses Jahr in Rente und meinen Wohnsitz nach Marokko verlegen. Bin Journalist und möchte als Selbstständiger (Pressebüro) in Marokko für marokkanische Medien arbeiten.

    Hätten Sie Tips oder Erfahrungen diesbezüglich? Was mir noch an Information fehlt, ist die Frage der Besteuerung von Honoraren …

    mit freundlichen Grüßen
    D. Röder

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