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Arbeit auf Kreuzfahrtschiff: Als Patissier um die Welt

Der Kreuzfahrt-Patissier Benjamin Maasz bei einem seiner Landgänge. Foto: ZVG
Der Kreuzfahrt-Patissier Benjamin Maasz bei einem seiner Landgänge. Foto: ZVG

Der Patissier Benjamin Maasz arbeitete die letzten fünf Jahre auf unterschiedlichen Kreuzfahrtschiffen. Dem Weltreisemagazin erzählt er im aktuellen Interview des Monats von den tollen Erlebnissen und den Schattenseiten seines Wanderlebens und wieso er ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben hat.

WRM: Beginnen wir mit einer Bilanz: Ermöglicht die Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen das Traumleben, das sich viele vorstellen?

Benjamin Maasz: Für mich definitiv. Dieses Leben war immer mein Traum und das ist es immer noch. Seit Ende meiner Schulzeit wollte ich auf einem Schiff arbeiten. Ebenso stand schon lange fest, dass ich nach meinem Schulabschluss einmal Patissier werden wollte. Nach fünf Jahren Ausbildung und einem Jahr Auslandserfahrung in der Schweiz ist der Traum vom Schiff wahr geworden.

Was sind die größten Herausforderungen an Bord?

Der größte Unterschied zu einem Job an Land ist, dass wir jeden Tag zehn Stunden lang arbeiten müssen. Und dies an sieben Tagen pro Woche und über eine Zeitspanne von vier bis sieben Monate. Die ein oder zwei Freitage pro Woche, die wir am Land kennen, gibt es bei uns nicht. Doch auch bei der Arbeit selber gibt es auf dem Meer spezielle Herausforderungen. Man kann beispielsweise nicht schnell rüber in den Supermarkt, um irgendwas nachzukaufen. Wir bekommen in regelmäßigen Abständen Ware, mit der wir so umgehen müssen, dass es bis zur nächsten Lieferung reicht. Ein weiterer Unterschied ist, dass die meisten Gäste länger auf dem Schiff bleiben als sie dies in einem Hotel tun würden. Von dreitätigen Kurzreisen über 21-tägige Kreuzfahrten bis Weltreisen von fast einem halben Jahr gibt es alles. Für uns in der Küche heißt das, dass wir für Abwechslung in der Speisenauswahl sorgen müssen.

Es ist allgemein bekannt, dass es auf Schiffen wenig Platz gibt. Wie erlebst du das Zusammenleben mit den Kollegen?

Ich hatte nie ein Problem mit der Enge. Man muss sich eben arrangieren. Klar gibt es bessere und schlechtere Mitbewohner, aber im Großen und Ganzen sind wir an Bord eine Familie und halten zusammen. Zu Beginn wohnte ich mit einem Kollegen in einer fensterlosen Innenkabine und das Bad zwischen den Kabinen musste ich mir mit drei Mitarbeitern teilen. Mittlerweile verfüge ich als Chef-Patissier über ein eigenes Zimmer und bin auch ganz froh darüber. Nach der Arbeit muss man abschalten können. Immerhin bin ich verantwortlich für die kompletten Süßspeisen und Kuchen auf dem ganzen Schiff bei hunderten Gästen.

Eisberg bei Grönland: Eine der vielen Weltregionen, in der Bejamin bereits arbeiten musste/durfte.
Eisberg bei Grönland: Eine der vielen Weltregionen, in der Bejamin bereits arbeiten musste/durfte.

Hand aufs Herz: Kannst du es bei so wenig Freizeit überhaupt genießen, dass du dich in solchen grandiosen Weltregionen bewegst?

Ja und nein. Wir haben zwischen zwei Schichten meist nur etwa drei Stunden Mittagspause. Das heißt, dass wir uns ziemlich beeilen müssen, wenn wir von Bord gehen wollen. In all den Jahren hab ich aber gelernt, in kurzer Zeit möglichst viel zu erleben und auf mich wirken zu lassen. Selbst wenn es nur eine Stunde an Land geht, kann man einiges sehen und vor allem etwas vom Schiffsalltag abschalten. Leider sind die Häfen oft nicht zentral gelegen und man muss erst eine weite Strecke mit dem Bus zurücklegen, bis man in die nächste Stadt oder zu einer Sehenswürdigkeit kommt. In solchen Gegenden kommt es vor, dass ich den Mittagsschlag vorziehe oder mit Kollegen an den Strand gehe.

Wenn du an Land gehst, versuchst du bestimmt auch lokale Spezialitäten. Was schmeckte dir am besten?

In exotischen Ländern kaufen wir immer mal wieder lokale Früchte ein. Aber privat probiere ich eigentlich gar nicht so viel aus. Wenn die Zeit reicht, schaue ich mich gerne auf den Märkten um. Doch in der Regel ist die Zeit so knapp, dass es nur reicht, um mich inspirieren zu lassen. So schaue ich eher, was es Landestypisches gibt, von Pflanzen über Obst bis hin zu Gewürzen. Und dann entwerfe ich ein eigenes, vom jeweiligen Land inspiriertes aber an einen „deutschen“ Geschmack angepasstes Dessert oder Kuchen. Das wird von den Gästen sehr geschätzt.

Wo gefiel es dir bisher am besten?

Für mich haben alle Ecken dieser Welt ihren Reiz. Persönlich mag ich es lieber warm und sonnig, aber selbst eine Expedition in der Arktis ist eine atemberaubende Erfahrung. Alles hat seine Reize – und solange ich nicht zu lange am gleichen Fleck bleiben muss, kann ich allen Ecken was abgewinnen.

Hektischer Landgang: Bei nur drei Stunden Mittagspause müssen die Ausflüge an Land gut organisiert sein.
Hektischer Landgang: Bei nur drei Stunden Mittagspause müssen die Ausflüge an Land gut organisiert sein.

Du hast vor kurzem ein Buch über deine Reise veröffentlicht, in dem du Reiseberichte und Rezepte kombinierst. Was dürfen Leser erwarten?

Die enthaltenen Rezepte gehen vom Käsekuchen bis hin zu Pralinen, Cookies und Eis. Die Rezepte haben verschieden Schwierigkeitsgrade. Manche sind für Laien, aber auch für den ambitionierten Nachwuchskonditor ist etwas dabei. Alle Rezepte habe ich mir selbst ausgedacht und entwickelt. Angelehnt an die verschiedensten Länder der Welt, gibt es Sachen, die ich stellenweise an Bord schon lange zubereite, aber auch Dinge wie einen Zupfkuchen, den ich schon als Kind gemacht habe und nur etwas überarbeiten musste. Bei den Geschichten handelt es sich um Erlebnisberichte von unterwegs, aber auch wie es überhaupt zum Buch kam. Ebenfalls schildere ich, was man alles erst mal machen muss, um auf ein Schiff zu kommen. Das Ganze ist nicht wie ein Reiseführer geschrieben, sondern eher auf lustige Art erzählt – so wie ich es erlebt habe.

Was hat dich bewogen, diese viele Arbeit zu leisten und ein Buch zu verfassen?

Ich besitze viele Kochbücher und spielte schon lange mit dem Gedanken, ein eigenes Buch zu schreiben. Irgendwann kam mir die Idee, dass so etwas sicherlich ein tolles Geschenk für den runden Geburtstag meiner Mutter wäre. Deshalb habe ich vor rund zweieinhalb Jahren angefangen, das Buchprojekt zu verwirklichen. Da es über einen Book on Demand Verlag veröffentlicht wird, musste ich alles selbst machen und mich erst in die ganze Materie einarbeiten. Aber die Arbeit und das Geld, das ich in das Buch gesteckt habe, haben sich gelohnt. Ich bin froh, es gemacht zu haben.

Ich konnte mir Dein Buch stellenweise anschauen und finde es gut gelungen. Wie waren sonst die Reaktionen? Könntest du dir vorstellen, ein zweites Buch zu schreiben?

Die Reaktionen waren bis jetzt sehr gut. Natürlich könnte noch das eine oder andere Buch mehr verkauft werden, aber grundsätzlich bin ich zufrieden. Ein zweites Buch? In diese Richtung habe ich noch keine Pläne, zumal das erste Buch ja erst vor wenigen Tagen erschienen ist. Ich hätte noch viele Rezepte im Kopf, die darauf warten, ausprobiert zu werden. Das Geschichtenerzählen ist mir hingegen etwas schwerer gefallen. Aber auch hier gibt es noch ein paar Geschichten für ein weiteres Buch. So habe ich beispielsweise noch nicht erzählt, wie es sich anfühlt, wenn man ins Burj Al Arab für viel Geld Champagner trinken und Kuchen essen geht und dabei Stahlkappenschuhe und Arbeitshosen an hat.

Mehr zu Benjamin und seinem Buch „Dessert & Meer“ findest du hier auf seiner Website beziehungsweise über die Facebook-Fanpage.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

2 Kommentare

  1. Hallo lieber Blogger und lieber Benjamin,

    ich habe eine Frage! Zurzet befinde ich mich kurz vor demSchluss-Sprint zur meienem Abitur und danach würde ich gerne Reisen, ich würde gerne auf einem Liner Reisen natürlich mit dem Möglichkeit dort auch zu arbeiten! Da ich nicht so viele „flüssige Mittel“ parat habe, dachte ich mir des wäre die einzige Möglichkeit. Wie stehen da meine Chancen? Hätte Gastronomie Erfahrung wüsste aber nicht wo ich mich da bewerben soll!

    danke für die Antworten!

  2. Muss ein aufregendes Leben sein. An dieser Stelle vielen Dank für deinen Blog und das Teilen der ERfahrungen! vor allem das „musste / durfte“ hat etwas irritiert. durfte passt doch eher! wer kommt schon so oft nach Grönland zum Beispiel 🙂 lg aus dem öden Ruhrpott!

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