Samstag, 21. Oktober 2017
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Als Fotografin auf einem Kreuzfahrtschiff um die Welt

Marusia Luft reist als Bordfotographin im Kreuzfahrtschiff um die Welt. Bild: Christian Hanc
Marusia Luft reist als Bordfotographin im Kreuzfahrtschiff um die Welt. Bild: Christian Hanc

Die 22-jährige Marusia Luft arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: Seit Anfang Oktober 2013 ist die Hessin als Bordfotografin auf dem Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ tätig und reist zusammen mit der Crew und den Passagieren um die Welt.

Nachdem Marusia in Hamburg an Bord ging, fuhr das Schiff an der Westküste Europas hinunter durch die Straße von Gibraltar weiter ins Mittelmeer bis an die Westküste von Italien. Von dort ging es mit Zwischenstopps an der Nordküste von Afrika nach Madeira. Anschließend folgte unter anderem eine Atlantiküberquerung nach Venezuela und eine Durchquerung der Karibik hinein in den Golf von Mexiko. Vor der Fotografin liegen noch die Südsee sowie Stopps in Neuseeland und Australien, bevor sie Ende März in Singapur von Bord geht. Dem Weltreisemagazin gibt sie im neuesten Interview des Monats einen Einblick in den Arbeitsalltag einer Bordfotografin und berichtet von der Faszination, mit der Kamera fremde Länder zu entdecken.

WRM: War es schon immer Dein Wunsch, auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten?

Marusia Luft: Ehrlich gesagt wusste ich zu Beginn meiner Ausbildung überhaupt nicht, dass es diesen Job auf einem Kreuzfahrtschiff gibt. Ich wollte immer viel von der Welt sehen, aber auf solch eine Idee bin ich nicht von alleine gekommen. Eine ehemalige Arbeitskollegin von mir ist seit fünf Jahren hauptberuflich Bordfotografin und durch ihre Erzählungen entwickelte sich bei mir immer mehr der Wunsch, auch solch tolle Erfahrungen wie sie zu machen. Deshalb habe ich mich während meiner Ausbildung immer in die Ferne geträumt und bin nun überglücklich, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe.

Wie darf man sich Deinen Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen an Bord vorstellen?

Der Arbeitsalltag ist sehr vielfältig. Ich arbeite gemeinsam mit einem weiteren Fotografen und mache Bilder von den Gästen sowohl an Bord als auch bei den Landausflügen. Primär begleite ich die Ausflüge, um Erinnerungsfotos der Gäste aufzunehmen. Zudem mache ich aber auch eine Vielzahl an Landschafts- und Detailaufnahmen sowie Portraits für Foto-DVDs, die von den Gästen erworben werden können. Eigentlich bin ich rund um die Uhr im Einsatz und immer auf Abruf parat, wenn zum Beispiel Wale oder Delfine zu sehen sind. Auch bei Abendveranstaltungen – wie zum Beispiel den Musikshows, Poolpartys und Modenschauen – bin ich vor Ort und halte alles mit der Kamera fest. Ein großer Teil der Arbeit besteht natürlich auch aus der Nachbereitung der Bilder, die meist mehr Zeit in Anspruch nimmt als das eigentliche Fotografieren. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich sehr schnell an relativ kleine Crewkabinen, lange Arbeitszeiten und ab und zu wenig Schlaf.

Landgang in Belize: Nicht nur Passagiere, sondern auch bunte Vögel kommen der Bordfotografin vor die Linse. Foto: M. Luft.
Landgang in Belize: Nicht nur Passagiere, sondern auch bunte Vögel kommen der Bordfotografin vor die Linse. Foto: M. Luft.

Das klingt ziemlich anstrend. Gibt es keine Ruhephasen?

Hinsichtlich des Arbeitsalltags muss man zwischen Tagen an der Pier und denen auf See unterscheiden. Liegen wir an Land, so beginnen die meisten Ausflüge schon sehr früh am Morgen. Gerade wenn es sehr heiß ist und man mit dem Equipment viel laufen muss, ist das sehr anstrengend. Aber es macht Spaß, die fremden Länder zu entdecken und vor allem etwas von der jeweiligen Kultur zu lernen! Gerade Tage der Einschiffung oder auch der Galaabend bedeuten für uns viel Stress, da wir jeden einzelnen Gast mindestens einmal fotografieren – beim Aufsteigen auf das Schiff, bei der Seenotrettungsübung, der ersten Gala mit Abendgarderobe und dem Kapitänsempfang. Die Aufnahmen des Tages werden am selben Abend noch bearbeitet und fertig ausgehängt. Seetage sind für uns als Fotografen eher Tage, um ein kleines bisschen Luft zu holen, da wir nachmittags ein paar Stunden Freizeit haben. Mittags findet häufig ein bayerischer Frühschoppen in einem der Restaurants statt, den wir fotografisch begleiten. Der Abend läuft eigentlich genauso ab wie an Land: Zuerst ist der Fotoshop geöffnet, danach werden bestimmte Events, wie zum Beispiel Geburtstage, fotografiert.

Die Kombination aus Reisen und Arbeiten klingt für viele traumhaft – Was macht für Dich den Reiz dieser Tätigkeit aus?

Es gibt immer Höhen und Tiefen auf dem Schiff, aber wenn man in einem fremden Land ist und so viele Eindrücke sammeln kann, dann vergisst man alle Sorgen. Es gibt Momente, die sind einfach unvergesslich. Neulich war ich zum Beispiel bei einer einsamen Insel schnorcheln und habe plötzlich eine Wasserschildkröte gesehen, mit der ich sehr lange gemeinsam geschwommen bin. Danach war ich überglücklich, weil es so unfassbare Augenblicke waren.

Begegnung beim Schnorcheln: Wasserschildkröte vor der Küste von Barbados. Foto: M. Luft.
Begegnung beim Schnorcheln: Wasserschildkröte vor der Küste von Barbados. Foto: M. Luft.

Bleibt neben der Arbeit auch Zeit, die Landtage für eigene Ausflüge zu nutzen?

Das ist immer davon abhängig, welche Ausflüge ich begleite. Manchmal gehen die Ausflüge über den ganzen Tag, manchmal auch nur den halben Tag – dann kann ich die restliche Zeit bis zum Abend frei nutzen. An manchen Inseln ist beispielsweise „individueller Landgang“, das heißt wir werden mit Zodiacs (eine Art Schlauchbooten) an Land gefahren und haben, neben etwa zwei Stunden Arbeit, den kompletten Tag frei.

Betrachtest Du auch bei solchen Ausflügen die Städte und Landschaften immer unter „Brille“ des Fotografen oder bist Du auch mal nur Touristin?

Sobald ich meine Kamera dabei habe, bin ich als Fotografin unterwegs. Ich suche nach den Ecken und Motiven, die die Touristen nicht so sehen und ich denke, dass genau der andere Blick einen Fotografen ausmacht. Ehrlich gesagt kann ich das Suchen nach Motiven gar nicht abschalten. Wenn ich nicht mit Gästen unterwegs bin, dann versuche ich zusammen mit Kolleginnen so viel wie möglich von der jeweiligen Kultur zu entdecken. Und dabei gilt für uns ganz klar: fern ab vom Tourismus.

Landgang in Panama: Einheimische posieren gerne für Touristen. Foto: M. Luft.
Landgang in Panama: Einheimische posieren gerne für Touristen. Foto: M. Luft.

Wie war es, den Jahreswechsel dieses Mal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu erleben?

In erster Linie war es für uns alle an Bord ein völlig normaler Arbeitstag. Es war eine Menge Stress und zusätzliche Arbeit im Vergleich zu den sonstigen Tagen an Bord und wenn wir mal ganz ehrlich sind: so ein bisschen froh waren wir schon, als die Feiertage endlich vorbei waren. Aber insgesamt war es trotz der weiten Entfernung nach Hause ein spannender Abend, quasi zwei Mal ein frohes neues Jahr zu wünschen – einmal früh am Abend zur deutschen Zeit und einmal wirklich um 24 Uhr. Das Feuerwerk mitten auf See unter einem unglaublich klaren Sternenhimmel werde ich so schnell nicht vergessen! Als kleinen Bonus wurde für die Crew ein leckeres Feiertagsmenü zusammen gestellt, was wir in vollen Zügen genossen haben.

Welches war bisher Dein persönliches Highlight der Reise?

Es gibt so viele unvergessliche Momente! Aber zum momentanen Zeitpunkt würde ich Kuba sagen. Wir hatten das Glück, dass wir einige Tage dort lagen und daher ein bisschen intensiver in die Kultur eintauchen konnten. Die Oldtimer, die unglaublich aufgeschlossenen Menschen, Salsa-Musik überall und natürlich der Rum – es war eine tolle Zeit in Havanna.

Blumenverkäuferin in Havanna, Kuba. Foto: M. Luft.
Blumenverkäuferin in Havanna, Kuba. Foto: M. Luft.

Auf welche Stationen freust Du Dich noch besonders?

Da muss ich nicht lange nachdenken: Bali. Ich träume wirklich schon einige Zeit davon, nach Bali zu reisen und war überglücklich, als ich diesen Stopp auf meiner Reiseroute gelesen habe. Ich bin so gespannt darauf, die Einwohner, die immer grünen Reisterrassen und die Tempel mit eigenen Augen zu sehen und mit meinen eigenen Fotos festzuhalten. Natürlich freue ich mich auch wahnsinnig auf Neuseeland und Australien, aber auch auf Singapur, wo meine Reise enden wird.

Wenn man monatelang als Bordfotografin auf einem Kreuzfahrtschiff um die Welt gereist ist, kann man sich dann die Arbeit in einem Fotostudio überhaupt noch vorstellen? Wie geht es für Dich nach der Reise weiter?

Ehrlich gesagt denke ich momentan gar nicht daran, was in Zukunft sein wird. Ich muss mich so oft selbst daran erinnern, wie unglaublich all das ist, was ich gerade erleben darf. Ich verbringe nach meiner Reise mit einer Freundin vom Schiff einige Tage in Singapur, bevor ich zurück nach Deutschland fliege. Danach werde ich wieder bei meinem Ausbilder tätig sein, der mir netterweise diese Chance ermöglicht hat. Außerdem habe ich gerade aufgrund meines Gesellenstücks ein Stipendium bekommen und überlege daher, an meine Ausbildung ein Studium anzuschließen. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon, meine Familie, all meine Freunde und natürlich meinen Freund bald wieder zu sehen und vor allem wieder in meinen gewohnten vier Wänden zu schlafen.

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Über Christine Pierk

2 Kommentare

  1. Hammergeile Bilder, die Frau Luft da auf ihren Reisen aufgenommen hat. Besonders das Foto aus Panama gefällt mir super. Gibt es irgendwo ein Portfolio, wo man die Bilder von Frau Luft sehen kann?

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag! Von dem Job habe ich bisher auch noch nichts gehört – klingt aber wirklich interessant! Das sind tatsächlich sehr schöne Bilder von Frau Luft: So bunt, so exotisch, so emotional. Mein absolutes Lieblingsbild: Das Mädchen mit der Katze auf dem Arm.

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