Montag, 18. Dezember 2017
Home » Allgemein » Adam’s Peak: Von der Sonne geküsst und Shiva betanzt

Adam’s Peak: Von der Sonne geküsst und Shiva betanzt

Der Gipfel des Adam’s Peak besticht mit seiner grandiosen Aussicht. Foto: Birte Peters.

Für Gläubige ist er das wichtigste Pilgerziel des Landes, für Naturenthusiasten eine einmalige und wahrlich atemberaubende Erfahrung: Der Adam’s Peak im Zentrum von Sri Lanka. Wer sich traut, die sieben Kilometer lange Treppe hochzusteigen, wird mit einem einzigartigen Naturerlebnis belohnt.

von Birte Peters

Nachts, kurz nach halb zwei. Ein überraschend kühler Wind weht durch das nächtliche Dalhouise. Hier und da stehen ein paar Touristen in der Dunkelheit. An einer Ecke lacht jemand lacht laut auf. Die meisten sind jedoch ruhig, schauen verschlafen auf die Karte, die sie vom Hotel bekommen haben. Sie suchen den Zugang zum sieben Kilometer langen Weg, der über rund 5200 Stufen zum fünfthöchsten Gipfel der Insel führt.

Der Adam’s Peak ist mehr als lediglich ein Felsen auf dem touristischen Trampelpfad. Gläubige verehren ihn wegen seiner spirituellen Bedeutung. Grund dafür ist ein rund 1,60 Meter großer Fußabdruck in einem Stein. Die Legende will, dass er von Siddhartha Gautama stammt, der sich hier einst aufgehalten haben soll. Die buddhistischen Singhalesen kennen deswegen den Berg auch unter einem anderen Namen: Sri Pada, was heilige Fußspur bedeutet.

Heiliger Berg für viele Religionen

Doch ist der Abdruck nicht nur für Buddhisten heilig, auch der Hinduismus kennt eine Legende, wonach die Göttin Shiva dort den Tanz der Schöpfung vollführt hat. Im Christentum und im Islam wird er ebenfalls der Schöpfungsgeschichte zugeordnet. Nach der Vertreibung aus dem Paradies soll Adam nach Sri Lanka gegangen sein, da die Insel dem Paradies am ähnlichsten war. Den Abdruck seines zweiten Fußes sucht man übrigens vergeblich: Er beging Busse für seine Sünde und stand tausend Jahre lang auf einem Bein.

Ein schmaler, kontinuierlich steigender Pfad führt in die Höhe. Verlaufen kann man sich kaum. Wie eine silbrige, nicht enden wollende Schlange ziehen sich die Lampen des Pfads bis zum Gipfel. Die Milchstraße bedeckt den Himmel, einige Sternschnuppen suchen ihren Weg und der Mond lässt die Baumkronen in seinem Licht schimmern. Die Luft wird mit jeder Stufe kühler. Warme Kleider sind angesichts des zu überwindenden Höhenunterschieds von fast tausend Metern ein Muss.

Der immer steiler werdende Weg ermüdet die Beine. Den selben Weg haben auch Tee und alles, was zu den kleinen Teestuben gehört, genommen. Sie befinden sich in regelmässigen Abständen am Wegrand. Hier sitzen Menschen verschiedenster Nationalitäten und Glaubensrichtungen auf den Plastikstühlen beieinander. Sie schlürfen den heißen Tee, genießen die Stille und geben ihren Muskeln eine kurze Ruhepause. Die Kekse und Chips dieser kleinen Oasen werden hoch geschätzt.

Zeremonie auf dem Gipfel

Nach dem mehrstündigen Kampf gegen die Schwerkraft, fällt es auf dem Gipfel leicht,  ein paar Minuten dem magischen Gebaren der Mönche zuzuschauen. Barfuß umkreisen sie bei ihrer allmorgentlichen Zeremonie die Stupa, während die meisten Touristen in ihren Schuhen frierend daneben stehen. Rund um den Tempel befinden sich hunderte bunte Gebetsfahnen, die im Wind wehen.

Unter dem Trommeln der Mönsche beginnt sich alles rot und orange zu färben. Die Wolken schimmern wie Seide und nach einigen Minuten verwandelt sich die Welt in ein schimmerndes Blaugrau. Erst wenn die Sonne etwas höher steht, lässt sich die eigene Position abschätzen. An einem klaren Tag kann man das etwa 70 Kilometer entfernte Colombo sehen. Ein Blick ins Tal zeigt die schimmernde Wasseroberfläche des Moussakelle Stausees. Die dunkle Seite hinter dem Tempels beindruckt durch den riesigen, dreieckigen Schatten, den der Berg wirft.

Die Sonne ist da und bald schon droht die tägliche Mittagshitze. Der Abstieg beginnt deswegen für die meisten gegen 6.30 Uhr, denn die gerade mal 300 Quadratmeter große Fläche wird fast komplett von dem Tempel genutzt und bietet keinerlei Schlafmöglichkeit. Jetzt heißt es, jede einzelne Stufe ein zweites Mal in umgekehrter Richtung zu betreten. Zitternde Beine sind die Regel, wenn man wieder in Dalhouise ankommt. Wie schafft das bloß der Postbote, der die Briefe dem bewohnten Tempel zustellen muss?

Praktische Tipps

Anreise: Viele Reisende verbinden ein Besuch vom Adam’s Peak mit einer Pauschalreise. Die Anreise von den Badestränden im Süden des Landes erfolgt in der Regel mit dem Bus. Von Colombo aus kann man die attraktive Route bis Hatton auch mit dem Zug fahren. Von dort aus geht es nur per Bus oder Taxi weiter bis nach Dalhouise. Wer von Kandy aus anreist, sollte die direkten Busverbindungen wählen.

Hochsaison: Insbesondere in Vollmondnächten zwischen Dezember und Mai besteigen viele buddhistische Pilger den Adam’s Peak. Dann sind die meisten Hotels ausgebucht und auf den Treppen bilden sich teilweise Schlangen.

Über Gastbeitrag

Gastbeiträge sind Artikel, die Autoren von anderen Blogs auf dem Weltreisemagazin veröffentlichen. Hast auch du einen eigenen Reiseblog und möchtest für uns einen Text schreiben? Melde dich bei uns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.