Freitag, 15. Dezember 2017
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Alleine oder zu zweit unterwegs?

Viele Weltreisepläne scheitern daran, weil man sich nicht alleine in die Ferne wagt und einen Partner oder gar eine Gruppe sucht. Was für kurze Reisen sinnvoll sein kann, muss für Langzeitreisen nicht stimmen. Hier die Vor- und Nachteile.

Reisegruppe. Die Vorstellung mit Freunden um die Welt zu reisen ist bestimmt verlockend. Die Realität sieht oft anders aus. Während eine Reisegruppe für kürzere Reisen durchaus seinen Reiz haben kann (man muss wenig organisieren, lernt neue Leute kennen und ist nie alleine), ist dies für eine längere Zeit kaum eine Option.  Den Streit

Ein Wanderer über dem Nebelmeer, Caspar David Friedrich, 1818

und die Kompromisse will sich keiner antun. Wer alleine unterwegs ist, wird sich immer  wieder für eine Weile einer Gruppe anschliessen können. Dabei verliert man nicht die Unabhängigkeit.

Zu zweit. Wer in einer Ehe oder einer festen Partnerschaft lebt, hat eigentlich kaum eine andere Option als gemeinsam auf die Reise zu gehen. Eine solche Reise ist jedoch immer auch eine Belastungsprobe für eine Beziehung. Keineswegs sollte man glauben, mit einer Reise seine Probleme lösen zu  können. In stressigen Situationen gerät man häufiger aneinander, als einem lieb ist. Wer aber gemeinsam zurückkommt, dürfte fester zusammengeschweisst sein. Wer dennoch versucht, einen Reisepartner zu finden, sollte sich darauf einigen, dass man bei Bedarf auch für eine Weile getrennt reisen kann.  Eine besondereOption sind auch Abschnittspartner: Dabei reist man mit Person A durch Australien und mit Person B durch Südamerika. Hier ist zu beachten, dass man sich auf diese Weise einen grossen Teil seiner Freiheit beraubt, wenn man sich an Termine halten muss. Trifft man also nicht enge Freunde oder Familienangehörige, würde ich von dieser Konstellation abraten. Wer trotzdem Reisepartner sucht, kann hier fündig werden.

Alleine. Viele Langzeitreisende sind sich einig: Das einzig Wahre ist, alleine unterwegs zu sein. Wer den Schritt einmal gewagt hat, erkennt die Vorteile: Man braucht keine Kompromisse einzugehen. Für allein Reisende ergeben sich oft bessere Kontaktmöglichkeiten zu Einheimischen. Das müssen nicht nur Männer sein, die allein reisende Frauen zu sich nach hause einladen wollen.

Ist man nicht auf seinen Partner fixiert, ergeben sich zwangsläufig mehr Bekanntschaften. Dies auch mit anderen Langzeittravellern, die man gut in Massenschlafsälen, Gemeinschaftsküchen usw. oder auch in Sprachschulen findet. (Dies ist mitunter ein Grund, wieso viele Reisende ihren Trip mit einem Sprachaufenthalt beginnen.) Oft wird behauptet, dass man in schlecht erschlossenen Gegenden mehr Mühe hat, Reisepartner zu finden. Meine Beobachtung ist eher das Gegenteil: Je weniger Touristen es gibt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass man mit dieser einen Person ins Gespräch kommt – und vielleicht auch ein paar Tage zusammen reist.

Alleinreisen hat aber auch Nachteile, besonders für Frauen (siehe blaue Box). Zum einen muss man alles alleine machen: So hat man niemand, der aufs Gepäck aufpasst, während man ein Hotelzimmer sucht, man zieht eher Trickbetrüger an und läuft eine etwas höhere Gefahr bestohlen oder ausgeraubt zu werden (in den bekannten unsicheren Gebieten sollte man daher mit Bekannten aus dem Hotel gemeinsam ausgehen) und man hat auch niemandem, der einem Medizin kauft, wenn man mit Fieberträumen im Bett liegt. Zudem zahlt man häufig etwas mehr, da Einzelzimmer relativ etwas teurer als Doppelzimmer sind und man den Preis fürs Taxi nicht teilen kann. Mit Skype und Email ist Einsamkeit allerdings kein so grosses Problem mehr: Wer heute seine Freunde vermisst, kann mit ihnen problemlos chatten oder telefonieren.